Review: Google Stadia

Zukünftig werde ich ab und zu Reviews zu Produkten als auch Spielen machen, mit denen ich mich längere Zeit auseinander gesetzt habe. Es kann auch sein, dass nicht nur Gaming-Produkte kommen. Wenn ihr bestimmte Spiele getestet sehen wollt, könnt ihr es gerne im Discord vorschlagen. Aber es muss nicht dazukommen, dass ich diese auch teste. Doch kommen wir zur ersten Review: Google Stadia.

Google Stadia Logo © Google

Einführung

Vor einem Jahr, um genau zu sagen dem 19.03.2019, wurde Google Stadia vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Cloud-Gaming-Lösung, also einem Dienst, mit dem ihr Spiele aus der Ferne spielen könnt, ähnlich wie NVIDIA GeForce NOW oder Shadow. Allerdings besteht hier ein großer Unterschied: Bei den letzten beiden genannten Diensten müsst ihr monatlich zahlen, nur damit ihr den Dienst nutzen könnt. Dafür habt ihr die Möglichkeit eure Spiele von Steam, Origin, Epic oder UPlay zu starten. Denn im Grunde bekommt ihr dort Windows-Rechner innerhalb eines Rechenzentrums. Stadia verfolgt einen anderen Ansatz: Seht es eher wie eine neue Konsole in der Cloud. Weitere Informationen dazu erhaltet ihr im Abschnitt Technik. Ihr müsst monatlich für die Nutzung nicht zahlen, könnt es aber. Allerdings müsst ihr jedes Spiel, was ihr Spielen wollt, zunächst auf Stadia erwerben. Also wenn ihr beispielsweise Assassin’s Creed Odyssey schon auf UPlay besitzt, könnt ihr es erst auf Stadia spielen, wenn ihr es dort erwerbt. Damit ist Stadia kein Flatrate-Angebot wie Netflix, sondern eher ein neues geschlossenes System wie eine Konsole!

Um Stadia nutzen zu können, wird ein Google-Konto sowie eine Bezahlmöglichkeit benötigt. Diese kann eine Kreditkarte, oder auch Paypal sein - sofern ihr Google Pay verwendet. Die Einrichtung erfolgt im Browser als auch via die Stadia-App. Wichtig ist: Wenn ihr euch registriert, wird euch angeboten, Stadia Pro zu testen. Das ist ein Abonnement von Google, damit ihr Stadia in 1440p60 oder 4K60 und 5.1 Surround-Sound genießen könnt, aber auch monatlich mindestens ein kostenfreies Spiel sowie Vergünstigungen auf Spiele im Angebot erhaltet. Stehen euch allerdings mehrere kostenfreie Spiele zur Verfügung, so braucht ihr euch nicht zwischen den Spielen entscheiden, sondern könnt jedes Spiel sichern. Habt ihr einmal ein kostenfreies Spiel angefordert, könnt ihr dieses aber nur spielen, wenn ihr Stadia Pro abonniert habt. Wenn ihr zwischenzeitlich euer Abonnement kündigt, könnt ihr diese Spiele bis zur Wiederaufnahme des Abonnement nicht mehr spielen. Der Fortschritt geht dabei nicht verloren. Wenn ihr nur das kostenfrei Stadia Base nutzen wollt, müsst ihr jedes Spiel, was ihr spielen wollt, erwerben.

Technik

Da es sich bei Stadia um Cloud-Gaming handelt, muss dafür ein Server vorhanden sein. Dessen Spezifikationen stammen von der Entwicklerseite für Stadia von Google [Quelle].

Hardware:

Eine Intel CPU mit 2.7 GHz der x86-64 Architektur. Dazu eine “benutzerdefinierte AMD-GPU mit HBM2-Speicher und 56 Recheneinheiten mit einer Leistung von 10,7 Teraflops". Damit dürfte es sich um eine AMD RX Vega 56 handeln. Außerdem gesellen sich 16 GB RAM und SSD-Speicher dazu.

Software:

Als Betriebssystem kommt die Linux-Distribution Debian zum Einsatz. Unter Linux existiert kein DirectX, welches unter Windows zum Einsatz kommt, sondern die aktuelle plattformübergreifende Grafik-API Vulkan. Das könnte vielleicht dazuführen, dass zukünftig mehrere Spiele für Vulkan entwickelt werden.

Außerdem stellt Google ein SDK zur Verfügung: “In unserem SDK stellen wir robuste APIs zur Verwaltung von Spielen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Funktionen zum Speichern, für einen Mehrspielermodus und zum Unterbrechen/Fortsetzen des Spiels.". Crowd Play ist so eine besondere Multiplayer-Funktion. Das ist eine sinnvolle Funktion für Streamer, denn wenn dieser ein Multiplayer-Spiel spielt, können Zuschauer beitreten und direkt mit ihm während des Streams spielen. Damit wir eine gute Möglichkeit der Zuschauerinteraktion geschaffen. Ähnlich funktioniert Crowd Choice. Hier können die Zuschauer via Abstimmungen den Spielverlauf mit beeinflussen. Eine weitere besondere Funktion stellt State Share dar. Content-Creators, Autoren oder andere Spieler können Level oder Screenshots erstellen und diese mit einem Link teilen. Wenn du beispielsweise die selbe Stelle des Screenshots ansehen willst, klickst du auf den Link und wirst zu dieser Stelle teleportiert, auch wenn du in deinem eigenen Spiel noch nicht so weit bist. Sobald du wieder diese Szene verlässt, geht es für dich weiter, wo du vorher aufgehört hast.

In meinen Testläufen habe ich festgestellt, dass H264 und VP9 als einzige Decodierverfahren zur Verfügung stehen. Deshalb würde ich davon ausgehen, dass dementsprechend auch H264 und VP9 als Encodierverfahren zum Einsatz kommen.

Nachdem die Server-Technik beschrieben wurde, kommen wir zur für uns wichtigen Seite: Wie wir es als Spieler nutzen können.

Client:

Um Stadia auf dem PC / Mac nutzen zu können, wird ein Chromium-basierender Browser benötigt. Als weitere Möglichkeit wollen auch die Chromebooks genannt sein, da diese als Basis Chrome verwenden und damit prädestiniert geeignet scheinen. Als Eingabegeräte können Maus und Tastatur sowie beliebige Controller, welche der Browser erkennt, verwendet werden. Theoretisch sollen auch diverse gängige Lenkräder von Fanatec, Thrustmaster oder Logitech funktionieren, aber laut Berichten von Nutzern sollen es Spiele wie Grid nicht erkennen können.

Wenn ihr Stadia dagegen am Fernseher nutzen wollt, benötigt ihr einen PC, den ihr mit einem Kabel verbindet oder die Hardware von Google, welche sich um den Chromecast Ultra und dem Stadia Controller handeln. Das besondere an dem Controller ist, dass dieser direkt in eurem WLan mit den Stadia-Server kommuniziert und damit die Latenz reduziert sein soll.

Mobil könnt ihr es bisher direkt mit den Google Pixel 3/3 XL,3a/3a XL nutzen. Wenn ihr ein anderes Android-Smartphone oder Tablet besitzt, könnt ihr auch die experimentelle Funktion in der Stadia-App aktivieren, sodass ihr es dennoch nutzen könnt. Mit iOS ist es bisher nicht kompatibel, da die Funktionalität nicht in der Stadia-App gegeben ist und der Chrome-Browser nur ein Safari-Browser in anderer Optik ist. Denn Apple lässt nur Browser zu, welche die Browser-Engine von Safari verwenden.

Hier noch eine kleine Übersicht, mit welcher Internetgeschwindigkeit Stadia welche Qualität überträgt:

Google Stadia Geschwindigkeit - Qualität © Google

Testverfahren

Anschließend berichte ich euch, wie ich es getestet habe:

Ich habe das auf zwei verschiedenen Geräten unter unterschiedlichen Bedingungen getestet. Einerseits auf meinem Notebook, ein Lenovo ThinkPad L470 mit einem Intel Core i5-7200U und dem integrierten Grafikchip Intel HD Graphics 620. Als Betriebsystem kamen Windows 10 Update 1909 (x64) und der neue Edge auf Chromium-Basis zum Einsatz. Außerdem habe ich es unter Linux, in meinem Falle Manjaro mit den neusten Paketen (Stand 25.05.2020) in Googles Chrome-Browser getestet. Die Verbindung erfolgte in beiden Fällen durch WLAN im 5 GHz-Bereich mittels des WLAN-Standards 802.11ac.

Ich habe allerdings nicht nur mit meinem Notebook, sondern auch hauptsächlich mit meinem Rechner getestet (Spezifikationen findet ihr hier). Auf diesem Rechner habe ich es auch unter Linux und Windows getestet. Im ersten Fall Googles Chrome-Browser in der neusten Version und unter Windows ebenso Chrome, als auch der neue Chromium-Edge. Mein Rechner ist allerdings via LAN-Kabel mit dem Netzwerk verbunden.

Mit folgenden Spielen haben ich es getestet:
GRID (2019), PlayerUnknown’s Battleground (PUBG) und NBA 2K20.

Google Stadia - Grid (2019) Screenshot Ein Screenshot von Grid (2019) in Google Chrome Browser von mir erstellt.

Ergebnisse

Nachdem nun die Technik als auch die Testbedingungen erläutert wurden, kommen wir zu den Testergebnissen:

Performance

Unter Manjaro hat der Chrome Browser keine Hardwarebeschleunigung durch die Grafikkarte / dem Grafikchip und damit muss der Videostream auf der CPU decodiert werden. Dies führte dazu, dass meine CPU in meinem Notebook stark am Rechnen war. Dadurch war das Video sehr ruckelig und damit nicht spielbar. Der Prozessor meines Desktop-PCs hat genügend Rechenleistung, sodass dieser auch den Stream decodieren kann. H264 oder VP9, alles kein Problem.

Unter Windows hatte ich das Problem nicht, sodass selbst hier mein Notebook keine große Schwierigkeiten hatte, den Stream darzustellen. Insgesamt lässt sich somit sagen, dass die Performance in meinem Netzwerk mit meinem Internet (200 MBit/s Downstream, 50 MBit/s Upstream) und meinem WLAN-Router hervorragend ist. Der Videostream kam flüssig mit keinen Paketverlusten und der Input-Lag war sehr gering. Für mich sogar fast nicht spürbar in den drei Titeln. Das liegt daran, dass Google sehr viele Rechenzentren weltweit betreibt. Diese kommen auch für die anderen Dienste von Google zum Einsatz und damit war die Einführung von weiteren Server-Blades für Stadia keine große Erweiterung in den Zentren.

Qualität

Doch nicht nur die Performance spielt eine wichtige Rolle beim spielen, sondern auch die Qualität. Allgemein kann ich dazu sagen, dass dies einerseits davon abhängt, wie die Internetqualität aufrecht erhalten werden kann, ob eine Hardwarebeschleunigung vorhanden ist als auch ob Google Server die Leistung beibehalten können. Zum ersten Punkt kann ich berichten, dass die Browser bzw. Stadia automatisch auf einen 720p60 Stream wechselten, wenn nicht genügend Kapazität in meinem Netzwerk zur Verfügung stand und vice versa. Ebenso macht sich die Hardwarebeschleunigung bemerkbar. Denn die Grafikqualität wirkt unter Windows schärfer, als unter Linux und das obwohl der Chrome-Browser eingesetzt wurde. Noch ein bisschen besser sieht es dagegen mit dem Chromium-Edge aus. Ich kann es euch aber nicht erklären, wieso es ist. Den dritten Punkt kann ich von meiner Seite nicht urteilen, denn ich bin schließlich kein Google Administrator.

Die Qualität der Spiele kann ich nur so testen, wie sie auf Stadia dargestellt werden, da ich die Spiele auf anderen Plattformen nicht besitze. Aber kommen wir zu einem kurzen Überblick von GRID: Die Grafik wirkte sehr gut, gutes Anti-Aliasing und schöne Texturen und Modelle. Der Sound wirkte so, wie ich es mir von einem Rennspiel vorstellen würde. PUBG dagegen sah nicht wirklich gut aus, auch war die Performance nicht die Beste. Dagegen fand ich NBA 2K20 optisch als auch von der Performance wieder sehr gut.

Da Stadia wie eine Konsole zu betrachten ist, können die Entwickler auf diese spezifische Hardware hin entwickeln und optimieren. Aber ich gehe davon aus, dass die Entwickler noch Erfahrungen sammeln müssen, als auch die Qualität Fortschritte machen wird, wenn Google neue und bessere Hardware für Stadia verbaut.

Fazit

Insgesamt kann ich sagen, dass mich Stadia vollkommen überzeugt hat. Die Qualität wird vermutlich nicht mit der besten Desktop-Hardware mithalten können, aber dafür habe ich als Nutzer die Einfachheit einer Konsole. Allerdings benötige ich dafür nur nur einen PC mit einem Chrome-Browser und einen oder mehrere Controller, wenn ich im lokalen Multiplayer spielen will. Oder aber einen Chromecast Ultra und dafür dann einen oder mehrere Stadia-Controller. Für unterwegs geht auch ein Android-Smartphone. Somit kann ich damit überall spielen, sofern das Internet schnell genug ist. Sei es in einem Hotel, indem ich den Chromecast an einem Fernseher hänge, bei Freunden oder in Bus und Bahn. Bis auf die Switch bietet keine andere Konsole diese Möglichkeiten. Denn solch ein Cloud-Dienst hat für uns Nutzer neben der Ortsunabhängigkeit schon ein paar Vorteile: Wir müssen die riesigen Updates nicht mehr herunterladen - ich schaue auf dich Call of Duty: Modern Warfare (2019) beziehungsweise müssen es nicht einmal installieren! Damit können wir schnell in Spiele reinspringen. Die spezifische Stadia-Funktionen Crowd Play, Crowd Choice sowie State Share stellen interessante Möglichkeiten für Spieler dar, um mit ihren Content-Creators zu spielen oder eine besondere Stelle nachzuerleben. Ich hoffe somit, dass Stadia gekommen ist, um zu bleiben und nicht sobald auf dem Friedhof von Googles anderen gestorbenen Diensten landet.

Das wäre mein Test gewesen. Ich hoffe, ihr hattet Spaß und seid jetzt besser informiert, was Stadia ist als auch interessiert Stadia zu testen. Jeder Neukunde bekommt einen Freimonat von Stadia Pro. Wie schon eingangs erwähnt, würde ich mich sehr über euer Feedback freuen. Schaut dafür auf einen Discord-Server oder auf meinem Youtube-Kanal vorbei.

Bis zum nächsten Mal,
Eurer Chris


Chris - Noxigat

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